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Bernhard Antony – er redet über Käse wie andere über Frauen oder Autos

22 Januar 2010 19,276 views

Maître Bernard Antony ist wohl der DER Käseveredler auf diesem Planeten. Die wenigsten kennen ihn persönlich. Doch jeder, der schon einmal in einem vom Guide Michelin mit 3 Sternen ausgezeichneten Restaurant war, hat wahrscheinlich von seinen Meisterstücken probiert. Restaurantkritiker, Sterneköche, Staatsoberhäupter und Käse-Aficionados von New York bis Tokio gehören zu seinen Fans, die ins anschauliche Vieux-Ferrett im südliche Sundgau pilgern oder ihren Hubschrauber zum Käseabholen hinschicken.

1998 kam ein Bestseller für Manager heraus mit dem Titel „Who moved my cheese?“ (auf Deutsch unter dem Titel „Die Mäusestrategie“ erschienen). Es ist eine Parabel über zwei Mäuse und zwei mausgroße Menschen. Während die Mäuse in Jogginganzügen und Turnschuhen unermüdlich auf der Suche nach gutem Käse sind, grübeln und knobeln die Menschen nur herum, wo es guten Käse geben könnte. Aber die Menschlein unternehmen nichts. Sie sitzen untätig herum. Selbst als ihr Käsevorrat dahin schwindet, bleiben sie an Ort und Stelle und palavern nur herum, wie guter Käse schmeckten müsste und wo es ihn geben könnte.

Wir sind weder Mäuse, noch haben wir Jogginganzüge oder Turnschuhe an, aber trotzdem können wir uns schnell fortbewegen. Wir sitzen im Auto, verlassen kurz nach Basel die Autobahn und fahren nun über Land. Man sagt das immer so leichtsinnig daher, über’s Land fahren. Aber hier stimmt es wortwörtlich. Weite Ackerlandschaften wechseln sich mit dichten Wäldern ab. Der Wildbestand ist üppig. Der Verkehr gering. Hier im Sundgau, dem südlichen Elsass, achtet das Wild nicht auf ab und zu vorbei fahrende Autos, die ihre Pfade kreuzen und tappt deshalb sehr oft in solche tödlichen Fallen wie wenig befahrene Landstrassen.

Zum Glück fahren wir nicht über einen Hasen oder Igel, sondern durch lustig klingende Ortschaften wie Muespach-le-Haute, Hagenthal-le-Bas und Fislis. In das zuletzt genannte Dorf sind wir nur deshalb gelangt, weil wir uns verfahren haben. Kurz nachdem wir endlich in Vieux-Ferrette hineinfahren, verpassen wir doch glatt die Abzweigung zur Rue de la Montagne. Und schon stehen wir am Ende des Dorfes. Kein Supermarkt, kein Einkaufszentrum, noch nicht ein mal ein Café. Nur ein Bekleidungsladen für vollschlanke Damen gibt es hier. Dabei existiert dieses Dorf schon seit der Römerzeit. Und die Alemannen nannten diesen Ort Alt-Pfirt. Immerhin wohnen hier 564 Menschen.

Bescheidenheit hat hier eine lange Tradition.

Als wir endlich die Rue de la Montagne finden, fahren wir zunächst an dem Bauernhaus mit der Nummer 17 vorbei. So klein und unscheinbar sieht es aus, dass wir uns zunächst nicht vorstellen können, hier richtig zu sein. Als wir dann davor stehen, sehen wir das Holzschild über dem unprätentiösen Eingang: Sundgauer Käs-Kaller. Doch, hier sind wir richtig. Oder ist dies nur die Verwaltung? Eine Außenstelle? Nein, es ist nur unscheinbar. Wahrscheinlich kennt ihn unter unseren Lesern kaum jemand persönlich, vermutlich ist den meisten sogar der Name nicht einmal geläufig. Aber, und darauf wetten wir, fast alle Feinschmecker und Liebhaber des professionell gedeckten Tisches haben schon von seinen Produkten gegessen, da sind wir uns so gut wie sicher. Denn, wenn in einem Restaurant, das vom Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet wurde, zum Abschluss des Diners der Käsewagen vor den Tisch rollt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Gutteil des Angebotes, wenn nicht sogar alles, aus dem Keller von Bernard Antony kommt, einem der berühmtesten Käse-Affineure Frankreichs.

Wahrscheinlich kennt ihn unter unseren Lesern kaum jemand persönlich, vermutlich ist den meisten sogar der Name nicht einmal geläufig. Aber, und darauf wetten wir, fast alle Feinschmecker und Liebhaber des professionell gedeckten Tisches haben schon von seinen Produkten gegessen, da sind wir uns so gut wie sicher. Denn, wenn in einem Restaurant, das vom Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet wurde, zum Abschluss des Diners der Käsewagen vor den Tisch rollt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Gutteil des Angebotes, wenn nicht sogar alles, aus dem Keller von Bernard Antony kommt, einem der berühmtesten Käse-Affineure Frankreichs.

Wer nun eine große, stattliche Person mit lockigem Haupthaar und großen Gesten erwartet, wird genauso enttäuscht wie der Amerikaner, der im Restaurant Tantris einen 1961er Mouton Rothschild bestellte und nichts besonderes an dem Wein fand. Er trank ihn mit Eiswürfeln. Oh, mon Dieu.

Maître Bernard Antony ist eher klein, schiebt ein gemütliches Bäuchlein vor sich her und schaut stets etwas verschmitzt durch seine starken Brillengläser. Sein Haupthaar besteht aus einem dünnen Silberkranz. Und auch sonst gibt es nichts, was seinem Gegenüber verraten würde, dass dieser Mann der Weltmeister seines Faches ist, der absolute Star, der Papst des Käses, mit dem es so schwer war, einen Termin auszumachen – wahrscheinlich genau so schwer wie mit dem Papst in Rom. Beide sind viel unterwegs und haben einen vollen Terminkalender…

17 Seiten
Zahlreiche Käseabbildungen
ca. 4.380 Wörter
Autoren: Tibor Borbély und Hans-Albert Stechl
Preis: 0,79 €

Bernhard Antony - Der Käsepapst
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2 Comments »

  • Tibor Borbély – Strategie & Text Profitmarketing, Foodautor » Blog Archiv » Bernard Antony – er redet über Käse wie andere über Frauen oder Autos said:

    [...] Als wir endlich die Rue de la Montagne finden, fahren wir zunächst an dem Bauernhaus mit der Nummer 17 vorbei. So klein und unscheinbar sieht es aus, dass wir uns zunächst nicht vorstellen können, hier richtig zu sein. Als wir dann davor stehen, sehen wir das Holzschild über dem unprätentiösen Eingang: Sundgauer Käs-Kaller. Doch, hier sind wir richtig. Oder ist dies nur die Verwaltung? Eine Außenstelle? (Weiterlesen auf xiiboo publishing) [...]

  • Gerda und Horst Strecker said:

    Sehr geehrte Herren Antony,

    liebe Freunde aus dem Elsass,

    leider haben wir uns während dieser Plaza Culinaria in Freiburg sehr wenig gesehen und fanden auch keine Zeit für Gespräche und ein gutes Glas Wein zusammen zu trinken.

    Gerda und ich möchten uns auf diesem sehr herzlich für den Käse den Sie für uns am Stand abgegeben haben bedanken. Wir werden ihn heute Abend genießen und auch die Ruhe nach diesen hektischen Tagen und Stunden auf der Messe.

    Wir finden es schön, dass sich dies so gut entwickelt und freuen uns auf ein Weidersehen spätestens im nächsten Jahr aber vielleicht schaffen wir es auch einmal im Elsass vorbeizuschauen.

    Nochmals vielen Dank und bis dann

    au revoir

    Herzliche Grüße aus Freiburg.

    Gerda und Horst Strecker

    STRECKER’s Weine

    GH Strecker GmbH

    In den Kirchenmatten 50 b

    D 79110 Freiburg

    Tel. +49 761 81001, Fax +49 761 806341

    Email: strecker@streckergmbh.de, http://www.streckers-weine.de

    HRB 1427 AG Freiburg, Geschäftsführer Horst Strecker

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